Steht der Elzer Windpark auf der Kippe?
Veränderte Rahmenbedingungen machen die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit erforderlich

Elze (kra). Enercity hat die Windparkpläne im Forst Rundshorn erneut abspecken müssen. Von den ursprünglich 20 im Elzer Gebiet geplanten Anlagen sind nur noch 15 übrig geblieben. Für die zwei auf Burgwedeler Gebiet habe man kein Planungsrecht bekommen, so Projektleiterin Martina Gravemann-Pieper. Und bei drei weiteren Anlagen östlich der Wietze scheiterte die Genehmigung an den Luftfahrtrechten der Bundeswehr.

Doch diese verbliebenen 15 Anlagen sind jetzt von der Region Hannover genehmigt worden. Allerdings erst 15 von den mittlerweile nur noch 31 geplanten Windrädern. Diese stünden alle auf Freiflächen, die noch ausstehenden jedoch im Wald, erklärt die Projektleiterin. „Dort sind die Untersuchungen aufwendiger.“

Aber auch bei diesen ersten 15 Anlagen östlich der Autobahn 7 ist es offenbar noch gar nicht sicher, dass Enercity sie bauen wird. Hintergrund sind die sich ändernden politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Wir brauchen Planungssicherheit“, so Enercity-Sprecher Jochen Vennemann. „Wir prüfen jetzt die Umsetzbarkeit.“ Immerhin habe der Energieversorger das Projekt fünf Jahre lang vorangetrieben. „Das wäre ein Meilenstein für uns, nicht nur in der Region“, betont Vennemann.

Doch die angekündigte Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ab 2027 lässt befürchten, dass Windräder künftig nicht mehr so wirtschaftlich betrieben werden können, wie es aufgrund der Investitionen nötig wäre. Zentral dabei ist der sogenannte Redispatch-Vorbehalt. Dabei geht es darum, dass Anlagenbetreiber künftig auf einen Teil der ihnen bislang zustehenden Entschädigung verzichten sollen, wenn die Windräder wegen mangelnder Netzkapazität abgeschaltet werden müssen.

Da die Novelle noch nicht verabschiedet ist, weiß kein Investor so richtig, wohin die Reise künftig gehen wird. Dennoch ist die Beteiligung an den Ausschreibungen für die erzeugte Stromleistung durch die Bundesnetzagentur erstaunlich hoch, da die aktuellen Förderregelungen noch ausgenutzt werden sollen. „Die laufen Ende des Jahres aus“, erklärt Vennemann. Die Folge des Ansturms sei ein rapider Preisverfall für den erzeugten Strom. „Der Zuschlagswert lag im Februar bei 5,54 Cent pro Kilowattstunde, aktuell nur noch bei 4,79 Cent.“

Alles Faktoren, die den wirtschaftlichen Betrieb von Windenergieanlagen infrage stellen könnten. Weshalb auch im Projektgebiet Forst Rundshorn – solange noch viele Unklarheiten herrschen – zunächst nicht mit Bauarbeiten zu rechnen ist. Schon das Genehmigungsverfahren hatte sich wegen geänderter Rechtsgrundlagen verzögert.

„Wir haben die Anträge am 30. Juni 2025 eingereicht“, so Gravemann-Pieper. Doch mittlerweile müssen Bodenuntersuchungen und die Gutachten der Prüfingenieure bereits im Vorfeld der Entscheidung eingereicht werden, nicht erst nachträglich. „Mit einer Inbetriebnahme ist daher nicht vor Ende 2028 zu rechnen“, sagt die Projektleiterin. Sollte der Bau des Windparks an wirtschaftlichen Gründen scheitern, würde das die Gegner des Projekts freuen. Prinzipiell gegen Windenergie sind die meisten von ihnen nicht. „Es geht um dieses spezielle Projekt, das kollidiert ganz massiv mit der Trinkwasserproblematik im Fuhrberger Feld“, sagt Christoph Chilla, Sprecher der Initiative „Bürger für eine lebenswerte Wedemark“. Er kritisiert „massive Verfahrens- und Abwägungsfehler“ im Aufstellungsverfahren zum Raumordnungsprogramm.

Die Initiative hat erst am 10. August eine formelle Rüge dagegen bei der Region eingereicht (www.lebenswerte-wedemark.de/formelle-ruege-des-blw-e-v-bei-der-region-hannover-eingereicht). „Es ist an der Zeit, dass Hannover es endlich einmal kapiert, dass es um seine Trinkwasserversorgung geht. Wenn mal was passiert, gibt es keinen Plan B.“

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