Doch warum braucht es mehr Sozialberatung vor Ort, auch in den Ortschaften? „Nicht allen Menschen fällt es leicht, sich mit persönlichen oder finanziellen Problemen an die Verwaltung zu wenden“, sagt Doris Lange, Abteilungsleiterin des Fachbereichs Soziales. „Mit der Sozialberatung direkt im Quartier möchten wir diese Hemmschwellen abbauen und Unterstützung dort anbieten, wo die Menschen leben.“ Dabei gehe es auch darum, Menschen über ihre Ansprüche auf soziale Leistungen zu informieren, die ihnen möglicherweise zustehen, von denen sie aber bislang nichts wissen. Laut Lange ist die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, für viele zu hoch, weil es ihnen gerade bei persönlichen, familiären oder finanziellen Problemen schwerfällt, Unterstützung anzunehmen. „Häufig spielen Scham oder die Sorge eine Rolle, mit ihren Anliegen nicht ernst genommen zu werden“, sagt Lange. Dabei könne jeder Mensch einmal in eine Situation geraten, in der er oder sie auf Hilfe angewiesen ist. Lange nennt beispielsweise Familien in belastenden Lebenssituationen, aber auch Menschen, die finanzielle Sorgen haben oder von sozialer Isolation bedroht sind.
Das Angebot richtet sich grundsätzlich an alle Menschen, die Fragen haben oder Unterstützung benötigen. „Zugleich möchten wir gezielt diejenigen erreichen, die bestehende Beratungsangebote bislang nur schwer oder gar nicht in Anspruch nehmen“, sagt Lange. Vor allem bei älteren Menschen habe die Stadt seit der Corona-Pandemie festgestellt, dass persönliche Kontakte teilweise verloren gegangen sind.
Indem die Stadt die Sozialberatung vor Ort anbietet, möchte sie auch gezielt auf Seniorinnen und Senioren zugehen und sie bei ihren Problemen unterstützen. „Ein Beispiel sind ältere Menschen, deren Rente nicht ausreicht, um ihren Lebensunterhalt zu sichern“, sagt Lange.
Unter Umständen könnten sie Anspruch auf Grundsicherung haben, scheuen laut der Sozialbeauftragten aber den Aufwand, einen Antrag zu stellen, oder fühlen sich mit den Formalitäten überfordert oder kommen aus anderen Gründen nicht ins Rathaus. „Hier können wir beraten, über mögliche Ansprüche informieren und bei den nächsten Schritten unterstützen“, sagt Lange.
Besonders wichtig sei es, frühzeitig tätig zu werden, wenn finanzielle Schwierigkeiten den Verlust der Wohnung gefährden.
Insbesondere bei Fragen rund um drohenden Wohnungsverlust und Wohnungsnot, finanzielle Schwierigkeiten sowie die Orientierung bei gesundheitlichen Problemen und den damit verbundenen Hilfsangeboten gibt es laut Lange in der Stadt Bedarf für Unterstützung und soziale Beratung. Zudem erreichen die Verwaltung vermehrt Hinweise auf alleinlebende Menschen, die Unterstützung benötigen. „Das unterstreicht, wie wichtig es ist, soziale Problemlagen frühzeitig wahrzunehmen und auch diejenigen Menschen zu erreichen, die von sich aus möglicherweise keine Beratung aufsuchen“, sagt Lange.
Die neue Sozialberatung kann ohne vorherige Terminabsprache zu bestimmten Zeiten aufgesucht werden. Die nächsten Sprechzeiten sind in Engelbostel in der Verwaltungsstelle, Kreuzwippe 1, am Dienstag, 3. November, von 13 bis 17 Uhr und am Montag, 7. Dezember, von 9 bis 13 Uhr. In der Verwaltungsstelle Kaltenweide, Zellerie 4, sind die nächsten Termine am Donnerstag, 5. November, von 9 bis 13 Uhr sowie am Dienstag, 1. Dezember, von 13 bis 17 Uhr. In der Denkstube am Ada-Lessing-Platz 4 gibt es Beratung am Montag, 26. Oktober, von 13 bis 17 Uhr, und am Dienstag, 17. November, von 9 bis 13 Uhr.